Philosophie zum Mitmachen
Lieber Nutzer,

Herzlich Willkommen zu "Philosophie zum Mitmachen" aus Waiblingen!

Wir würden uns freuen, wenn Sie sich anmelden und sich an den Diskussionen beteiligen würden.
Natürlich freuen wir uns auch über interessierte Leser im Forum. Um alle Foren einsehen zu können, müssen Sie sich allerdings anmelden.
Die Anmeldung ist und bleibt kostenfrei.
Das Forum ist werbefinanziert, wir bitten dabei um ihr Verständnis.

Auf gehaltvolle und anregende Gespräche freuen sich:
Stefan Neller und Jonas Kabsch.
Die neuesten Themen
» Seele
Do 5 Feb 2015 - 5:30 von Athanasius

» UNESCO Welttag der Philosophie
Di 18 Okt 2011 - 22:17 von Jonas Kabsch

» Neue Zeiten der "Philosophie"
Mo 29 Aug 2011 - 1:15 von Jonas Kabsch

» 09 - 11 "Die Epikureer"
So 14 Aug 2011 - 6:25 von Jonas Kabsch

» 08 - 11 "Die Skeptiker - das dogmatische Zweifeln"
So 14 Aug 2011 - 6:24 von Jonas Kabsch

» 07 - 11 "Diogenes von Sinope"
Do 7 Jul 2011 - 0:33 von Jonas Kabsch

» Umzug der Stadtbücherei ab April 2011
Mo 4 Apr 2011 - 7:42 von Jonas Kabsch

» Das Christentum
Fr 21 Jan 2011 - 7:03 von Jonas Kabsch

» Veranstaltung Mai
Fr 21 Jan 2011 - 5:54 von Jonas Kabsch

Wer ist online?
Insgesamt ist 1 Benutzer online: 0 Angemeldete, kein Unsichtbarer und 1 Gast :: 1 Suchmaschine

Keine

[ Die ganze Liste sehen ]


Der Rekord liegt bei 30 Benutzern am Di 19 Aug 2014 - 1:13
Suchen
 
 

Ergebnisse in:
 


Rechercher Fortgeschrittene Suche

Like/Tweet/+1
Partnerseiten
Stadtbücherei Waiblingen
Philosophie-Seiten
Zitat von philosophenlexikon.de
Information-Philosophie.de von Dr. Michael Funken
free forum

Was ist Philosophie?

Vorheriges Thema anzeigen Nächstes Thema anzeigen Nach unten

Was ist Philosophie?

Beitrag von Jonas Kabsch am Di 29 Dez 2009 - 7:37

Was ist Philosophie und was macht sie aus?
avatar
Jonas Kabsch
Admin
Admin


http://philo-wn.forumieren.de

Nach oben Nach unten

Was ist Philosophie

Beitrag von Castus am So 7 März 2010 - 3:53

Ich denke Philosoph ist vor allem das Nachdenken und das Nachfragen. Und so mit der Ursprung alles Wissens. Auch ist Philosophie nicht nur einer kleinen Bevölkerungsgruppe zugänglich sonder könnte eigentlich die breite Masse interessieren. Ich selber sehe für mich die Philosophie als Möglichkeit mich mit Dingen zu beschäftigen bei denen es vor allem kein eindeutiges Ergebnis gibt und bei dem alles richtig aber auch alles Falsch sein kann. Und so habe ich die Möglichkeit mich selber zu hinterfragen und mich von Vorurteilen zulösen.
avatar
Castus
Initiand
Initiand


Nach oben Nach unten

Re: Was ist Philosophie?

Beitrag von Jonas Kabsch am Do 11 März 2010 - 1:22

Bedeutet das, dass Naturwissenschaften für Sie, Castus nicht in der Philosophie beinhaltet ist?
Ist es in allen Bereichen so, dass die absolute Wahrheit nicht gefunden werden kann?
Inwiefern ist ein typisches Stammtischgespräch auch bereits ein Teil der Allgemeinphilosophie? Philosophiert jeder Mensch von Grund auf, aber kann es nicht benennen?
In welchem Verhältnis steht Wissen zu und in der Philosophie, in Hinsicht auf die Annahme, dass keine Eindeutigkeit oder absolute Wahrheit definiert werden kann in und mit der Philosophie?
avatar
Jonas Kabsch
Admin
Admin


http://philo-wn.forumieren.de

Nach oben Nach unten

Re: Was ist Philosophie?

Beitrag von Castus am Do 11 März 2010 - 9:28

Doch gerade die Naturwissenschaften gehören zur Philosophie das ich meine Philosophie das allgemeine nachfragen ist und wen wir was erforschen und untersuchen dann ja nur um zu wissen wie es funktioniert.

Ich denke das nicht Möglich ist eine absolute Wahrheit zu finden. Weil es nicht gibt was ewig beständig ist und da sich die Umstände ändern ändert sich auch die Wahrheit. Wen wir also denken wir hätten eine absolute Wahrheit dann ist diese wen dann nur für einen Moment absolut und kann dem nach im nächsten Moment schon wieder vollkommen falsch sein. Das so nicht heißen das ich es nicht sinnvoll finde nach diese Wahrheiten zu suchen doch müssen wir dann auch wieder bereit sein einzugestehen das dies vielleicht auch mal falsch ist.

Wenn man sich bei einen Stammtischgespräch bewusst ist das es keine endgültige Wahrheit gibt und nicht nur Stammtischparolen verwendet werden denke ich kann das auch Philosophie sein doch ob es mit diesen Ausnahmen dann immer noch als Stammtischgespräch gilt weiß ich nicht.

Ich bin mir nicht sicher ob wirklich jeder Mensch philosophiert zum einen weil ich ja meine das es keine absolute Wahrheit gibt und zu an der weil ich nicht weiß was der an der denkt dennoch hoffe ich das jeder philosophiert. Fragt sich nicht jeder irgendwann mal wieso erlebt, warum es Leben gibt, warum gerade er das Leben führt das er eben führt und ob es etwas gibt was größer ist als wir? Ich weiß jedoch nicht ob das schon wirklich Philosophie ist den das zu kenne ich mich zu wenig in der Philosophie aus doch würde ich es als solche bezeichnen.

Die letzte Frage versteh ich leider nicht ganz.

Meinen Sie es gibt bestimme Voraussetzungen die erfüllt sein müssen damit ein Mensch Philosophieren kann und ist Philosophie Lebens wichtig?
avatar
Castus
Initiand
Initiand


Nach oben Nach unten

Re: Was ist Philosophie?

Beitrag von Jonas Kabsch am Fr 19 März 2010 - 20:18

Hallo Castus,

Entschuldigen Sie bitte, dass ich erst so spät antworte.

Kann man wissen, "wie es funktioniert"? Ist es das Fragen, was man als Philosophie benennt, oder die Antworten? Ist es gar beides? Beinhaltet die Logik nicht sogar, dass es immer auf das System, auf die Axiome zurückführt, ob man etwas wissen kann, ob etwas funktioniert?

Das finde ich schön ausgedrückt. Das interessante an der Welt ist, finde ich, dass sie stetig im Fluss ist und man jedes Ding aus so vielen Gesichtspunkten heraus ansehen kann. Es gibt so viele Wahrheiten für ein und dieselbe Frage. Das macht Leben interessant, da man entweder die Wahrheit, die man möchte oder aber alle Wahrheiten mit in die Überlegungen einbeziehen kann. Ich vermute, es gibt auch Menschen, die dazu bestrebt sind, keine Wahrheit zu sehen. Doch ich denke, dass ist auch nur wieder eine Wahrheit, die mit einbezogen werden könnte.

Die Fragen "warum bin ich?", oder "Wo gehe ich hin?", kann mit den Philosophen, die vorangegangen sind in der Menschheitsgeschichte, begründet werden. Sie kann aber auch durch Bauernweisheiten oder eine alkoholdominierte Aussprache definiert werden, denke ich. Es sind nur Wahrheiten, um an den letzten Absatz anzuschließen, die in Betracht gezogen werden können. Macht nur Intellektualität, Intelligenz oder drogenfreies Bewusstsein Philosophie? Haben nicht viele weiße Männer der Neuzeit Drogen genommen? Vermutlich kann man gespaltener Meinung sein, beziehungsweise unterscheiden zwischen einem weiten und einem engen Philosophiebegriff, was die "Stammtischgespräche" angehen. Die meisten der Philosophen waren von ihrer Meinung überzeugt, dass sie die reine Wahrheit ist.

Ich schließe mich an. Ich sehe auch den weiten Begriff der Philosophie als gegeben an. Man muss nicht studiert haben oder ständig alleine vor einer Karaffe Wein in einem dunklen Kämmerlein sitzen, um zu philosophieren. Ein Philosoph unterscheidet sich insofern, denke ich, dass er das Philosophieren zu seinem Beruf, oder zumindest zur Passion macht.

Nun, Sie sprachen über das Streben nach Wissen. Nur, inwiefern ist es ein Streben nach Wissen, wenn man überzeugt davon ist, dass es keine Wahrheiten gibt? Kann man es dann eher als Streben nach Erkennen oder Streben nach Ansichtsmöglichkeiten benennen?

Ich vermute, da der Mensch in nur einer Disziplin sich spezialisiert hat und diese das Denken und die kognitiv, emotional und psychischen Fähigkeiten sind, dass er schon fast von Natur aus gezwungen ist, Fragen zu stellen und zu analysieren. Wie primitiv oder komplex das auch immer der Fall sein mag. Ich sehe es daher als eine Art Grundfähigkeit, welche sogar Menschen mit schwerer gesitiger Behinderung haben. Die Neugier (Aristoteles: das Staunen) und das Fragen sind für mich der Grundstock, sowohl der Philosophie, als auch des Menschen. Ich kann, philosophisch gesehen, von einem Kleinkind und von einem Greis lernen, wenn ich mich darauf einlasse, in deren Welt einzutauchen. Ich weiß aber auch, dass es viele Menschen gibt, vor allem im Bereich der Universitätsphilosophie, die das ganz anders sehen und Studien, einen Hochschulabschluß und die notwendigen Fertigkeiten und Fähigkeiten für ein Abitur vorsehen, um philosophieren zu können. Was denken Sie dazu?

Mit freundlichen Grüßen,
Jonas Kabsch.

_________________
Am Anfang der Philosophie steht das Staunen.

{frei nach Aristoteles}
avatar
Jonas Kabsch
Admin
Admin


http://philo-wn.forumieren.de

Nach oben Nach unten

Re: Was ist Philosophie?

Beitrag von Castus am Sa 3 Apr 2010 - 6:04

Ich glaube das die Philosophie sich von den andersn Wissenschaften dadurch unterscheidet das es nicht Möglich ist etwas genau durch Zahlen zu definiren und auch deshalb nie ein allgemein und aus jeder sicht gültiges Ergebnis gefunden werden kann.

In einem Buch das ich vor zwei Jahren in der Schule lesen musste vertrat eine Person die ansicht das Drogen nur deshalb verboten sind weil sie einen die "Wirklichkeit" sehen lassen und man deshalb dan gegen den Staat wäre. So extrem sehe ich es nicht doch denke ich das Drogen schon von vielen weißen Männern der Neuzeit genommen wurden, entweder als Flucht weil sie Probleme mit den Problemem hatten denen sie sich gewitmet hatten oder um von dem normalen und alltaglichem Gedankengut abstand zunehmen um neue Sichtweißen zuerkenne weil bei mir hir das Zitat "In einer Flasche Wein ist mehr Philosophie als in allen Bücher der Welt." gelegen kommt. Ich will da mit nicht sagen das Drogen oder Alkohol nötig und Voraussetzungen für Philosophie sind doch denke ich das eine Staub trockene und intollerante Einstellung die falschen Wege zur Philosophie sind.
Und so kann auch ein Stammtischgespräch wenn es nicht nur auf Alkohol beruht Philosophie sein doch denke ich sind hir oft Vorurteile hinderlich.

Ihrer Bezeichnung des Philosophs schließe ich mich nur zum Teil an da ich denke das selbst jemand der sich das anscheinden zum Beruf gemacht hat nicht zwingen Philosophieren muss. Ich denke das schon jemand der sich mit einer bestimmten philosophieschen Frage beschäftigt ein Philosoph ist, d.h. das der Begrif Philosoph eine Momentbeschreibung ist.


Ihre Idee des Strebens nach Ansichtsmöglichkeiten trifft genau das was ich meinen. Es ist einen Ausgewogenheit zwischen deffinitivem und vergänglichem Ergebniss.

Ich lese gerade ein Buch über Hirnforschung und wenn ich es rechtverstanden habe so unterscheidet den Menschen von den Tieren vorallem die Fähigkeit seine Handlungen zu revlektiren und erst so ist es Möglich zu fragen warum und wie man das gemach hat. Wenn nun eine Mensch diese Revlektiren kann denke ich wäre er auch in der Lage zu philosophieren ob jedoch dies dan ein schlichtes nachfragen oder nachsinne über das Gemachte oder schon Philosophie ist bin ich mir nicht sicher und so wäre ich höchst erfreut ihre Ansicht kennen zulernen.

Mit freundlichen Grüßen
Castus
avatar
Castus
Initiand
Initiand


Nach oben Nach unten

Re: Was ist Philosophie?

Beitrag von Jonas Kabsch am Sa 1 Mai 2010 - 7:18

Lieber Castus,
Wieder bitte ich Sie um Entschuldigung, da ich mir mit der Antwort so lange Zeit gelassen habe. Ich werde versuchen, zukünftig schneller zu antworten.

Würde das bedeuten, dass "die Liebe zur Weisheit" für Sie die Liebe zu einer ewigen Suche und dem sich-klar-werden darüber, dass nichts bestand hat und ewig ist oder auch dem angenommenen Faktum, dass es Fakten und Eindeutigkeiten, sowie Wahrheiten nicht gibt? Ist es die Liebe und das Akzeptieren zum Schwimmen in den Realtitäten und den möglichen Systemen und Annahmen?

Diesen Teil über Drogen verstehe ich nicht ganz. Meinen Sie nun, dass mit Drogen prinzipiell besser oder stärker philosophiert wird oder zumindest werden kann und dass man im einfluss von Dogen die Wahrheit erst erkennen kann? Oder dass die Drogen die Realität und die Wahrnehmung so verändern, dass es schwierig ist, es noch philosophieren nennen zu können?
Braucht man Drogen, um sein Bewusstsein zu erweitern und sich neue Wahrnehmungen erschließen zu können? Ist Toleranz geprägt vom Sanftmut durch Rotwein?

Ich glaube, dass der Stammtisch von geläufigeren Vorurteilen philosophiert, als es Philosophieprofessoren tun. So rannten die Philosophen jahrhundertelang dem Vorurteil hinterher, das der Mensch einen einheitlichen Glücksbegriff hat.
Der Stammtisch hat ähnliche Axiome, derren er sich bedient. So zum Beispiel "alle Politiker sind machtgeil, Lobbyisten und doof". Wobei man, wenn man es nüchtern betrachtet, einen Funken Wahrheit darin finden kann, so wie auch im allgemeinen Glücksbegriff, aber halt nur kurz und verallgemeinert gedacht.

Der Philosoph als eine Momentbeschreibung finde ich eine gute Idee.

Ich glaube, man kann die Liebe zur Weisheit nicht voll von der Liebe zu Wissen trennen, da ich in meinem System so viele wie mögliche Variationen brauche, um so offen und so objektiv wie möglich zu Ergebnissen kommen zu können. Auch die Einsicht oder Erleuchtung, dass alles Eins ist und am Ende im Einen mündet, wie es manche Mystiker behaupten, erfordert meines Erachtens nach Wissen, womit ich zu diesem Schluß kommen kann.
Das bedeutet, dass ich bloßes Fragen nicht unbedingt als philosophieren benennen würde. Neugier und die Unfähigkeit, diese zu stillen, sind für mich Eigenschaften am Menschen, welche ihn zu einem Philosoph oder einem philosophierenden Menschen machen. Das schließt dann Wissbegierigkeit ein und damit auch stetes Lernen.
Reflektieren heißt für mich somit nicht nur Revue passieren lassen, sondern auch vergleichen mit erlebten oder sonstwie erfahrenen Situationen, die Ählichkeiten aufweisen.

Mit freundlichen Grüßen
Jonas Kabsch

_________________
Am Anfang der Philosophie steht das Staunen.

{frei nach Aristoteles}
avatar
Jonas Kabsch
Admin
Admin


http://philo-wn.forumieren.de

Nach oben Nach unten

Philosophie als Überzeugungslehre

Beitrag von hageis am Do 28 Okt 2010 - 1:10

Hallo

Karl Jaspers hat in seiner "Einführung in die Philosophie" geschrieben: "Was Philosophie sei und was sie wert sei, ist umstritten." Die Antwort darauf, was sie sei, könne die Philosophie nur selber geben.

Fichte meinte, welche Philosophie man wähle, hänge davon ab, welchen Charakter man habe, und Schopenhauer, dessen Ansicht mir schon sehr zusagt, meint, dass Philosophie unter anderem dazu da sei, das metaphysische Bedürfnis zu befriedigen. Das wolle auch die Religion, die aber weitestgehend eine Glaubenslehre ist. Aber Philosophie sei im Gegensatz zu ihr keine Glaubens-, sondern eine Überzeugungslehre, die durch Argumente ihre Standpunkte vertrete.

Es geht um Liebe (Philos) zur Weisheit (Sophos), um das Suchen nach Wahrheit - was beinhaltet, dass man nie und niemals mit einer Frage hinter dem Berg hält, damit rechnet sich zu irren, nichts ungeprüft gelten läßt usf.; und dieser Such-Akt kann m.E. durchaus auch in geselliger Runde bei einem guten Wein statt finden. Und warum sollten Drogen-Erfahrungen nicht auch in diese Suche mit hinein genommen werden, indem man sie argumentativ nachvollziehbar ins Gespräch aufnimmt?

Der Muth keine Frage auf dem Herzen zu behalten ist es der den Philosophen macht. Dieser muß dem Oedipus des Sophokles gleichen, der Aufklärung über sein eignes schreckliches Schicksal suchend, rastlos weiter forscht, selbst wenn er schon ahndet daß sich aus den Antworten das Entsetzlichste für ihn ergeben wird. Aber da tragen die Meisten die Jokaste in sich, welche den Oedipus um aller Götter willen bittet, nicht weiter zu forschen: und sie gaben ihr nach, und darum steht es auch mit der Philosophie noch immer wie es steht. -
Schopenhauer an Goethe, Dresden d. 11ten Novemb. 1815.


Mit freundlichen Grüßen
Hartmut Geisler


avatar
hageis
Initiand
Initiand


http://www.hartmut-geisler.de/

Nach oben Nach unten

Re: Was ist Philosophie?

Beitrag von Jonas Kabsch am Do 4 Nov 2010 - 20:41

Hallo Herr Geisler,

Entschuldigen Sie bitte, dass ich erst so spät antworte, ich bin derzeit stark eingespannt in Renovieren und Beruf.

Ihre Definition der Philosophie, dass sie auf Argumenten beruhe, schließt meines Erachtens nach die Empirische Philosophie zum größten Teil aus.
Auch wäre jede Philosophie, die auf Axiomen beruht, damit eher Religion als Philosophie. Danach wäre auch Philosophie, welche auf der Vernunft basieren Religion, da es ein Zustand oder Vermögen ist, von dem ausgegangen wird.
Viele der großartigen Philosophen, wie Hobbes zum Beispiel, haben sogar Ihre eigene Philosphie, wo sie merkten, dass sich Schwierigkeiten auftun, einfach verleugnet und wieder mit allgemeinen Annahmen geschlossen. Das Fragen hat Grenzen, die der Benutzer definiert und zulässt. Gehe ich einen Weg, kann er unschön für mich enden und ich verbleibe dann doch eher im vorherigen Denken. Vielleicht eine Sünde im System, aber dennoch Philosophie.
Gerade bei Fragen wie Zufall oder Vorsehung lässt sich im letzten Punkt, auf das wie und wodurch am Anfang, keine befriedigende Antwort finden. Die logische Antwort enthält m.E. Kusalzusammenhänge und damit keinen Zufall. Das kann sich aber wiederum widersprechen durch Theorien der Wahrscheinlichkeitsrechnung und der Quantenphysik. Ein Punkt wo Stefan und ich regelmäßig diskutieren und es mittlerweile darauf begrenzen, dass hier nicht Wissen, sondern Glauben beginnt.
Daher würde ich mich dem Fragen und immer weiter bohren anschließen. Der klaren Abgrenzung zur Religion allerdings nicht. Es gibt und gab genügend Philosophien, die sich dogmatisiert zur Rligion entwickelt haben oder Philosophen, die wie Propheten gehändelt wurden. Hierbei sind die berühmtesten Beispiele Plato und Aristoteles.
Eine kleine Befreiungssekte, angeregt durch neue philosophische Erkenntnisse und dem Einfluss der Griechen, konnte sich sogar zu einer der mächtigsten Weltreligionen herauskristalisieren. Was schwierig ist im Gegensatz zur Philosophie ist, denke ich, dass Religion eine gewisse Trägheit in der Entwicklung und durch die jeweiligen Axiome eine Einschränkung in der Entwicklungsmöglichkeit beinhaltet. Aber auch hier ist es interessant zu sehen wie sich das Christentum von Arianern zu Kreuzzügen zum heutigen Bild verändert hat und dennoch als dieselbe Religion angesehen werden muss. Ein Bild das sich in Ihrem Rahmen, teilweise den Rahmen sprengend, immer wieder fast ins Gegenteil wandeln konnte.
Was meinen Sie dazu?

Dass die Sinne und die Wahrnehmung sich ändern lassen und damit alles ein anderes Bild wirft, ist mit Sicherheit ein wichtiger Faktor, den man in seinen Überlegungen mit einbeziehen sollte, da stimme ich Ihnen und Castus zu. Bur so kann sich eine allgemeine Wahrheit finden lassen, so denn es eine gibt.
"Das schöne am Bewusstsein ist ja, dass man es ändern kann." hat ein Kabaretist dazu gesagt.

Ich freue mich auf Ihre Antwort,
Jonas Kabsch.

_________________
Am Anfang der Philosophie steht das Staunen.

{frei nach Aristoteles}
avatar
Jonas Kabsch
Admin
Admin


http://philo-wn.forumieren.de

Nach oben Nach unten

Re: Was ist Philosophie?

Beitrag von hageis am Fr 5 Nov 2010 - 7:23

Hallo Herr Kabsch

Schön, dass wir ins Gespräch kommen!

Ihre Definition der Philosophie, dass sie auf Argumenten beruhe, schließt meines Erachtens nach die Empirische Philosophie zum größten Teil aus.
Hier wäre erstens zu klären, was Sie unter Empirische Philosophie verstehen (Logischer Empirismus?) und zweitens zu sagen, was ich mit Argumenten meine:
Ein Argument (lat. argumentum, ‚Beweisgrund‘, ‚Beweismittel‘) ist eine Aussage, die zur Begründung oder zur Widerlegung einer Behauptung gebraucht wird.
Argumente können andere Menschen von der Richtigkeit oder Falschheit einer Behauptung überzeugen. Sie sind ein wesentliches Mittel im Bereich der Wissenschaft, der Kritik, der Diskussion und des Dialoges.
Quelle: Wikipedia
Auch wäre jede Philosophie, die auf Axiomen beruht, damit eher Religion als Philosophie. Danach wäre auch Philosophie, welche auf der Vernunft basieren Religion, da es ein Zustand oder Vermögen ist, von dem ausgegangen wird.
Muss man nicht fragen, ob es eine wesentliche Differenz von religiösen und philosophischen Axiomen gibt (Dogmen versus Axiomen)? Und sind nicht Axiome in der Neuzeit als begründungsbedürftig und begründungsfähig erkannt?

Die Behauptung, ein Argument sei in einem absoluten Sinne eines Beweises weder fähig noch bedürftig, ist auf dem Hintergrund der modernen Wissenschaftsentwicklung nicht mehr haltbar. Deshalb steht auch das Auffinden von Argumenten nicht unbedingt am Anfang der Entwicklung einer wissenschaftlichen Theorie, und Aussagen werden nicht deshalb zu Argumenten, weil sie unmittelbar einsichtig oder offensichtlich (evident) sind. Ihren besonderen Platz erhalten Argumente lediglich dadurch, daß von ihnen in einem systematischen Aufbau der Theorie mit Hilfe von Schlußregeln alle übrigen gültigen Sätze dieser Theorie abgeleitet werden können (Vollständigkeit des axiomatischen Systems). Weiter sollen nur gültige Sätze aus den Argumenten ableitbar (d.h. beweisbar) sein (Widerspruchsfreiheit des A.systems).
Quelle: Enzyklopädie Philosophie

Eine kleine Befreiungssekte, angeregt durch neue philosophische Erkenntnisse und dem Einfluss der Griechen, konnte sich sogar zu einer der mächtigsten Weltreligionen herauskristalisieren. Was schwierig ist im Gegensatz zur Philosophie ist, denke ich, dass Religion eine gewisse Trägheit in der Entwicklung und durch die jeweiligen Axiome eine Einschränkung in der Entwicklungsmöglichkeit beinhaltet. Aber auch hier ist es interessant zu sehen wie sich das Christentum von Arianern zu Kreuzzügen zum heutigen Bild verändert hat und dennoch als dieselbe Religion angesehen werden muss. Ein Bild das sich in Ihrem Rahmen, teilweise den Rahmen sprengend, immer wieder fast ins Gegenteil wandeln konnte.
Dass sich das Christentum ... zum heutigen Bild verändert hat. -
Welches der vielen Gesichter des Christentums? Katholisch, Evangelisch, Orthodox, Freikirchen ohne Zahl... Liberale bis Erzkonservative, alle behaupten sie, das authentische Christentum zu sein...

Das Christentum umfaßt alles, was, gegründet auf die Bibel, in Ostkirchen und Westkirchen, in vielen Konfessionen, in liebestätigen, undogmatischen Quäkern und in fanatischen Calvinisten, in Franz von Assisi und in den im Namen Gottes folternden und mordenden Inquisitoren wirklich war. [...] Die Menschheit ist Zeuge eines Jahrhunderte währenden, immer unentschiedenen Kampfes um das wahre Christentum, eines oft sehr “unchristlichen” Kampfes. Juden und Christen stoßen sich ab und Christen untereinander. Vergeblich nennen sich Kirchen katholisch (griechisch-katholisch, römisch-katholisch). Sie bleiben doch nur besondere Erscheinungen. Vergeblich trennen sich die Protestanten, um allein auf das Bibelwort gegründet gemeinschaftlich die wahren Christen zu sein. Sie spalten sich schnell in eine Menge von abweichenden Denominationen. Es gibt kein gemeinsames Merkmal wahren Christentums, nicht einmal den Glauben an Jesus als menschgewordenen Gott. Es gibt das Christentum nur in Sondergruppen.
Quelle: Karl Jaspers, Der philosophische Glaube angesichts der Offenbarung, Piper Verlag, 3. Auflage, S. 52f.
Die angesprochenen Punkte müßten sicherlich gesondert behandelt werden. Vielleicht kommen wir dazu.

Herzliche Grüße aus Berlin
Hartmut Geisler
avatar
hageis
Initiand
Initiand


http://www.hartmut-geisler.de/

Nach oben Nach unten

Re: Was ist Philosophie?

Beitrag von Jonas Kabsch am So 14 Nov 2010 - 10:08

Hallo Herr Geisler,

Die Freude ist ganz meinerseits!

Ich bezog mich auf den britischen Empirismus von Locke und Berkley und Hume. Bertrand Russel schrieb dazu in der "Philosophie des Abendlandes" von der Inkonsequenz bei sozialen Fragen Lockes in seiner Philosophie.
Inkonsequenz ist eine Form, die zwar wissenschaftlich nicht zuträglich ist, aber große Theorien, welche Umbrüche verursachten oder einläuteten, oftmals gestützt haben, damit die Theorie praxisnah bleiben kann.

Wie sollen Axiome zugleich begründungsbedürftig und begründungsfähig sein? Das widerspricht sich doch meines erachtens nach.
Das Zitat werte ich so, als ob es in einem in sich geschlossenen System, wie zum Beispiel in der Erfindung einer Sprache (ich glaube Leibnitz war das mit der komplett logischen Sprache), sich selbst beweisende und das System definierende Axiome gibt. Das hat für mich aber keinen Gehalt für das System, welches alles enthält, also die Weisheit.

Da ich behaupte, dass diese alle aus einer Weltansicht und damit aus einer Idee heraus stammen, sind es wohl alle Weiterentwicklungen dessen, was das Judentum vor Jahrtausenden geschaffen hat. Sie bilden nur verschiedene Möglichkeiten ab.

Vielleicht sollten wir tatsächlich für jeden Punkt ein Forum eröffnen. Sie dürfen dies aber gerne auch tun, ich freue mich darauf!

Liebe Grüße aus Waiblingen,
Jonas Kabsch

_________________
Am Anfang der Philosophie steht das Staunen.

{frei nach Aristoteles}
avatar
Jonas Kabsch
Admin
Admin


http://philo-wn.forumieren.de

Nach oben Nach unten

Re: Was ist Philosophie?

Beitrag von hageis am So 14 Nov 2010 - 22:51

Hallo Herr Kabsch

Ich bezog mich auf den britischen Empirismus von Locke und Berkley und Hume.
Okay, verstehe.

Zu Axiome möchte ich Ihnen nur mal zukommen lassen was im Kant-Lexikon von R. Eisler dazu steht.

Axiom s. Grundsätze. — Axiome sind "synthetische Grundsätze a priori, sofern sie unmittelbar gewiß sind". Axiome gibt es nur in der Mathematik (s. d.), nicht in der Philosophie; denn ein synthetischer Grundsatz bloß aus Begriffen kann nie unmittelbar gewiß sein. "Diskursive Grundsätze sind also ganz etwas anderes als intuitive, d. i. Axiome. Jene erfordern jederzeit noch eine Deduktion, deren die letzteren ganz und gar entbehren können." Die Axiome sind "evident", während aus Begriffen a priori (in diskursiven Erkenntnissen) nur "anschauende Gewißheit, d. i. Evidenz", entspringen kann. Der "Grundsatz" der "Axiome der Anschauung" (s. d.) ist nicht selbst ein Axiom, sondern dient nur dazu, "das Principium der Möglichkeit der Axiome überhaupt anzugeben", und ist selbst nur "ein Grundsatz aus Begriffen". Die Philosophie hat keine Axiome, sondern muß ihre (apriorischen) Grundsätze durch gründliche Deduktion "rechtfertigen", KrV tr. Meth. 1. H. 1. Abs. 2 V. d. Axiomen (I 613 f.—Rc 759 f.).

Aber da hier ja das Thema ist: was ist Philosophie? - ist es wohl nicht angebracht, hier weiter darauf einzugehen, sondern, wie Sie auch vorschlagen, zu den angesprochenen Themen jeweils einen eigenen Punkt zu erstellen. - Vielleicht komme ich in nächsten Tagen dazu.
Und wie ich sehe, wurde zu anderen Punkten, (Was ist edel; Kategorischer Imperativ usw.) auch noch nichts gespostet, so dass ich wahrscheinlich erst einmal darauf eingehen werde.

Mit lieben Grüßen aus Berlin
Hartmut Geisler
avatar
hageis
Initiand
Initiand


http://www.hartmut-geisler.de/

Nach oben Nach unten

Re: Was ist Philosophie?

Beitrag von Jonas Kabsch am Do 18 Nov 2010 - 8:11

Guten Abend Herr Geisler,

Wissen Sie, was ich denke?
Ich denke, wir haben mit dieser Diskussion, auch davor schon mit Castus, sehr deutlich und breit gefächert gezeigt, was Philosophie ist.

Ich würde einen Thread mit dem Titel a priori und Axiome eröffnen.

Herzliche Grüße aus Waiblingen,
Jonas Kabsch

_________________
Am Anfang der Philosophie steht das Staunen.

{frei nach Aristoteles}
avatar
Jonas Kabsch
Admin
Admin


http://philo-wn.forumieren.de

Nach oben Nach unten

Re: Was ist Philosophie?

Beitrag von Gesponserte Inhalte


Gesponserte Inhalte


Nach oben Nach unten

Vorheriges Thema anzeigen Nächstes Thema anzeigen Nach oben

- Ähnliche Themen

 
Befugnisse in diesem Forum
Sie können in diesem Forum nicht antworten